Zersplittertes – Pt. One

„Der Splitter in deinem Auge ist das beste Vergrößerungsglas.“  Teddy

Gestern noch jubelnde Willkommensweltmeister mit Expertise in Refugess Welcome Parolen und perfektionierter Lagerverwaltung, heut Brandanschlagsexpert_innen mit dilettantischen Islamkenntnissen samt Kernkompetenz: nichts gesehen, nichts gehört. Deutschland 2016: Täuschungsweltmeister? Nach Köln endlich wieder zusammenwachsen? Wer sich hier getäuscht gar enttäuscht zeigt, dem ist fassungslos mit der Frage zu begegnen: „Wo hast du die letzten Jahre gelebt? Hast du nicht gesehen, gehört, mitbekommen, dass bei diesem Volk alles Hand in Hand, parallel zueinander abläuft?“ Von deutschen Alltagsrassist_innen hin zu organisierten Neonazis – all diese Kartoffeln zerkleinern und frittieren. Ein solider Anfang für ein unbeschwerteres Leben in diesem Drecksland voller geschlossener Schulterschlüsse, Schulter an Schulter, Hand in Hand, dabei Willkommens- und Vernichtungskultur stets vereint, bereitwillig, fast immer ungehindert, gar vollster Unterstützung, zur Tat schreitend. Rechte Gewalt ist Alltag für alle, die nicht deutsch genug aussehen,  als deutsch genug klassifiziert werden. Mit dem qua[n]litativen Unterschied, dass es seit Monaten immer schlimmer wird. Und mit Rassismus auch nur partiell zum Ausdruck kommt, was diese widerwärtigen und komplexen gesellschaftlichen Verhältnisse, wo noch anderes ausgelebt wie (Cis-)Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Ableism, antimuslimischer Rassismus, Antiromanismus und und und wird, mitausmacht.

Fritten?

Zu den letzten unfreudigen Begegnungen außerhalb Sachsens mit unbekannten Herrenmenschen: Kanackenf*tze. Oder: Vergasen. Oder, oder, oder… Ganz unverhohlen mal beim Vorbeigehen gezischt. Alltag seit Jahren. Da wird zurückgezischt, auch mal brüllend. Anders wird der Alltag in diesem Land fernab von  Drecksnestern, mitten in Großstädten, nicht gekannt. Da tritt schon abzulehnende Freude auf, wenn es nur beim Zischen bleibt, wenn nicht gleich losgeschlagen, gebrüllt, gespuckt oder bedroht wird. Seitdem sich diese hässlichen Deutschen wieder mehr trauen ist der Alltag noch rauher und sehr viel bedrohlicher. Soviel steht fest. Auch dass Notfallpläne hermüssen, falls das (Über-)Leben hier nicht mehr möglich ist. Während Linksdeutsche sich den Kopf über die richtige Analyse zerbrechen, eifrig nach Betätigungsfeldern suchen, sich bei allem immer gemütlich zurückziehen können, wenn’s mal  zuviel ist oder die nächste Techno-Party ruft  – mit der Peer-Group wie sonst auch, die auch als Kartoffel-Verein sich gründen könnte – wird munter oder auch frustriert oder halt nicht in vollem Ausmaß nicht realisiert wie das Klima immer bedrohlicher und mörderischer wird für andere. Schlimmstenfalls für sich selber. Deutsche Opfer sind sich bekanntlich immer am nähsten. Fast unbemerkt wird dabei am Vortag der drei entscheidenden Landtagswahlen gerade Berlin als Vorhof des ruhigen Hinterlandes erklärt. Wiederum andere oder auch die Gleichen, absolut irrelevant, genau damit Karriere machen, akutuell karrierekatapultierend: NSU-Terror, auch mit vielen Migrant*innen, die auf das Karrierekarussell draufspringen. Ist das vielleicht diese postmigrantische Gesellschaft? Das ist dann damit übrigens auch euer Volk. Wie steht ihr zum Volk? Seid ihr auch das Volk? Ebenso irrelevant? Rassistisches Pogromboom 2.0. Wobei diesmal die barbarischen Ausmaße großflächig außerhalb der verteidigten Landesgrenzen verlagert werden. Schlagworte: Idomeni, Syrien, Türkei, Afghanistan, Mittelmeer. Über Afrika™ herrscht schon lange ignorantes Schweigen. Für die ausgemachte Barbarei innerhalb der Landesgrenzen haben engagierte Linksdeutsche bereits ein Betätigungsfeld als Salafisten-Jäger_innen entdeckt, noch nicht ganz Hand in Hand mit dem Verfassungsschutz. Hierzu ein Tipp: Lasst euch wenigstens ordentlich bezahlen. Ganz nebenbei: vieler dieser Salafist_innen hier sind so wie ihr: urdeutsch. Wäre auch empfehlenswert das nächste öffentliche Treffen hierzu, sei es mit Pressefuzzis oder anderen, nicht im einzig jüdischen Café dieses Viertels stattfinden zu lassen. Möge Allah mit euch sein! Und nur kurz zum Intifada-Karnaval in Berlin. Hier sind die Vorschläge so einfallslos wie jeher: Problematisierung, Auseinandersetzung und Ausschluss. Aha. Glücklicherweise ist Israel’s Fortbestehen nicht auf diese Methoden zur Bekämpfung von Antisemitismus angewiesen.

Fritten!

fritten

Ziemlich beschissen alles gerad hier, mit der Perspektive: wird beschissener! In dem Sinne: Fritten! Fritten! Fritten!  Beste Verpflegung für den alltäglichen Selbstschutz, tagtäglichen Kampf, wo Anti-Rassimus zum  unausgesuchten Überlebenskampf dazugehört wie Hummus zu Fritten oder wie bereits Café Morgenland dies treffender formulierten: „Die Auseinandersetzung mit Rassismus ist für uns keine revolutionäre Heldentat sondern Alltag. Im weiteren Sinne: Rassist*innen platt machen – immer und überall. Wir sehen uns auf der Straße. Für die einen als Drohung, für andere als Aufforderung sich überall solidarisch zu zeigen, das Maul aufzureißen, dazwischenzugehen, für die ganz anderen: you’re are not alone!

31/03/2016 MigrAntifa

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